Interkulturelle Tage

Dialoge sind Momente, in denen man etwas vom Anderen versteht. Was macht ihn/sie aus? Wovon träumt er/sie? Vor welchen Herausforderungen steht er/sie? Nicht selten lenken solche Momente den Blick dann zurück auf sich selbst. Warum denke ich so, wie ich denke? Was macht mich aus? Vor welchen Herausforderungen stehe ich? „Jedes wahre Leben ist Begegnung.“ (M. Buber) Dieser Satz ist leitend für unsere interkulturelle Arbeit. Letztendlich sind nicht Dinge entscheidend für das eigene Leben, sondern die Begegnung mit Menschen.

Einmal im Jahr nehmen wir uns als Schule einen Tag Zeit für das Gespräch mit Menschen, die in anderen kulturellen Kontexten leben, und für die gemeinsame Arbeit an einem Thema. Das Studienkolleg Obermarchtal führt die Interkulturellen Begegnungstage in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie der Lehrerbildung durch. Beschlossen werden die Interkulturellen Begegnungstage in der Regel mit einer öffentlichen kulturellen Abendveranstaltung.

„Typisch ‚Zigeuner‘?“ Klischees und Wirklichkeit von Sinti und Roma in Deutschland

5. Juni 2018

Seit Jahrhunderten leben Sinti und Roma als Minderheiten auch in Deutschland, während des Nationalsozialismus wurden sie aus ideologischen Gründen verfolgt und ermordet, und trotzdem ist das Wissen über Sinti und Roma von Klischees und Vorurteilen geprägt. Unter dem Titel „Typisch ‚Zigeuner‘?“ widmete sich der Interkulturelle Tag 2018 der Geschichte, Gegenwart und Kultur der Sinti und Roma. Den Auftakt bildete ein Planspiel zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und zum Antiziganismus. In Workshops und Vorträgen wurde thematisch gearbeitet, es war aber auch Platz für Austausch und Zuhören. Dazu waren unter anderem Dr. Andreas Hoffmann-Richter von der Evangelischen Württemberg, die Ravensburgerin Nathalie Reinhardt, die Musikerin Dotschy Reinhardt, der Pianist und Komponist Aaron Weiß und der Historiker Dr. Stephan Janker nach Obermarchtal gekommen. Das Jazz Trio „Die Drahtzieher“ und die Sängerin Dotschy Reinhardt gaben zum Abschluss im sommerlichen Spiegelsaal am Abend ein mitreißendes Konzert.

„Hass begegnen“ Mit Information, Begegnungen und Comics gegen Ausgrenzung und Hass

1. Juni 2017

Ins Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern des Studienkollegs geschaltet, sagte die Journalistin Kübra Gümüsay beim Interkulturellen Tag im Juni 2017: „Wo gibt es denn heute Orte, an denen wir lernen und üben, miteinander zu sprechen?“ Das ein Stück weit einzulösen war Anliegen dieses Tags. Unter dem Titel „Hass begegnen“ nahmen wir thematisch die zunehmende Hassrede im Internet in den Blick. Viet Hoang, Mitarbeiter beim Team meX an der Landeszentrale für politische Bildung in Stuttgart, zeigte auf, was Hasskommentare ausmacht, welche Motivation dahinter steht und welche Möglichkeiten es gibt, auf solche Kommentare zu reagieren. Dass Geschichten eine Form sind, Ausgrenzung aufzuzeigen, wurde deutlich im Gespräch mit Soufeina Hamed. In den Comics von Soufeina „tuffix“ Hamed geht es oft um alltägliche Begebenheiten im Leben von jungen muslimischen Frauen. Ihre Arbeiten ermöglichen es dem Betrachter, zu sehen, dass und vor allem wie Stereotypen, Klischees und Vorurteile ausgrenzen und verletzen. Dabei sind ihre Geschichten feinfühlig und humorvoll. Am Nachmittag wurden die Themen vertieft und der Tag mit der feierlichen Finissage von Soufeina Hameds Comicausstellung beschlossen wurde.

"Heimat suchen" - Begegnungen mit Flüchtlingen in Oberschwaben

Foto: Tom Bradley

11. Mai 2015

Der Bürgerkrieg in Syrien hat unermessliches Leid über unzählige Menschen gebracht. Millionen Menschen sind auf der Flucht und suchen auch bei uns in Deutschland Sicherheit und eine neue Heimat. In einigen Gemeinden in Oberschwaben sind bereits seit geraumer Zeit Flüchtlinge untergekommen. Andere Gemeinden bereiten sich auf eine Flüchtlingsaufnahme vor. Deutschlandweite Aufmerksamkeit hat die Arbeit der Stiftung "Heimat geben" in Oggelsbeuren und der Verein "Zuflucht Kultur" im Jahr 2014 bekommen. Unter der Federführung der Stuttgarter Sängerin Cornelia Lanz und eines Teams entstand dort eine professionelle Inszenierung von Mozarts "Cosí fan tutte", die gemeinsam mit Syrerinnen und Syrern erarbeitet und an verschiedenen Städten aufgeführt wurde.

Durch den Interkulturellen Tag begleitete die Frage danach, was eigentlich "Heimat" ausmacht. Den Erfahrungen mit "Heimat" und den Auswirkungen von Vertreibung, Flucht und der Suche nach einer neuen Heimat wurde in Vorträgen und Workshops nachgegangen. Zu Gast waren neben syrischen Flüchtlingen auch Cornelia Lanz, Dr. Thomas Broch (Flüchtlingsbeauftragter der Diözese Rottenburg-Stuttgart) und Engagierte in der Flüchtlingsarbeit.

Am Schluss des Tages stand die Veranstaltung "Der Schrei der Heimat - Kleinkunst für den Frieden". Es war ein bewegender Abend, an dem Flüchtlinge aus Syrien ihre Erfahrungen in Texten und Liedern zum Ausdruck brachten.

"Vergiss die Armen nicht." Armut und Gerechtigkeit in Deutschland und Argentinien

8. November 2013

Kurz nachdem Papst Franziskus zum Papst gewählt worden war, erklärte er die Namenswahl mit einem Satz des brasilianischen Kardinal Hummes: "Vergiss die Armen nicht." Gleichzeitig werden Protestbewegungen weltweit gegen Armut und strukturelle Ungerechtigkeit lauter. Wie ist die Situation in Argentinien, dem Heimatland von Papst Franziskus? Welche Formen von Ungerechtigkeit sind dort und heute bei uns brennend? Die Thematik wurde im Sinne eines interkulturellen Austauschs mit SchülerInnen aus Santiago del Estero bearbeitet. Am Abend wurde die Ausstellung "Donde late el corazón - Herzschlag Argentinien" mit Fotos von Mitgliedern des Freundeskreises "Tinkunakuy" in einer öffentlichen Vernissage eröffnet.  Prof. Dr. Wolfgang Schoop, Misereor Aachen, hielt einen Vortrag zu "Argentinische Kleinbauern im Kampf gegen Landraub".